Vatertag

09.06.2013 | Keine Kommentare

Sie wussten, dass er gerne lange schlief in der Früh. So sollte er das heute auch tun können, an diesem, seinem Tag. Also schlichen sie sich aus dem Zimmer. Viel zu früh waren sie aufgewacht, aber dieser Tag hatte immer noch einen gewissen Zauber, der zu leichter Nervosität führte. Kinder ließen sie sich zwar nicht mehr so gerne nennen, aber die Motivation war groß, ihrem Vater zu zeigen, dass er keine besseren haben hätte können.

Um 10 Uhr stand er dann auf. Er musste die Augen schließen und wurde an den Frühstückstisch geführt. Sie waren wirklich stolz auf sich, es war ihnen ein tolles Frühstück gelungen, mit allem was er gerne hatte, und sein erstaunter Ausruf bestätigte sie in dieser Selbsteinschätzung. Es wurden Geschenke überreicht, die wie immer in letzter Minute gemacht worden waren, aber sie waren mit viel Liebe gemacht, und das war zu spüren. Er war gerührt.

Der Nachteil an so einem leckeren Frühstück war, dass sie sich nicht gegenseitig erlauben wollten, zu viel von den leckeren Sachen zu essen, während sie jeweils selbst aber jedenfalls genug davon abbekommen wollten. Das führte zu ersten kleinen Diskussionen. Der Vater erinnerte sie daran, dass Vatertag sei, und er sich wünsche, dass man jetzt ohne Streit essen könne. Sie beherrschten sich, und zankten still, aber mit bösen Blicken weiter.

Den Frühstückstisch abzuräumen, das war die erste wirklich große Herausforderung. Niemand wollte zu viel tun müssen, also musste mit einer ausführlichen Diskussion begonnen werden, wer nun was zu tun hätte. Warum mussten diese Diskussionen immer in Streitereien enden, fragte sich der Vater, ein mahnendes Wort war angebracht.

Sie wollten danach mit dem Vater spielen, doch dieser meinte, sie sollten zuerst ihre Sachen für die Schule fertig machen und im Zimmer für etwas Ordnung sorgen, danach könne noch ausgiebig gespielt werden. Das Aufräumen im Zimmer sorgte schließlich für Eskalation - zu unterschiedlich waren die Vorstellungen darüber, wie ein aufgeräumtes Kinderzimmer auszsehen hat - und spätestens jetzt war der Zauber des Vatertags weg. Es fühlte sich an wie ein ganz normaler Tag mit Kindern, die an der Pubertät anklopften bzw. sie schon erreicht hatten.

Als die Mutter die Kinder abholte, war die Stimmung noch nicht wieder ganz gekittet. Es blieb die Erinnerung an ein schön vorbereitetes Frühstück, und die netten Geschenke. Der Rest war ein Tag wie jeder andere. Aber wie heißt es so schön: Jeder Tag sollte Vatertag sein. Also ist der Vatertag auch ein bisschen wie jeder Tag.

Martin A. Fellacher

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